Kapitel 6

Aus dem Leben des Torian Gnottertrotter
(Tagebuch vom 01.07.15 und 08.07.15)

Nun, der Rest unserer glorreichen Orkjagd ist schnell erzählt. Wie nicht anders zu erwarten, versuchten noch einige der Orks, unseren Weg zu stoppen, was ihnen natürlich nicht gelang. So erreichten wir schließlich eine Art Tempelraum, wo irgendeine heidnische Orkgottheit verehrt wurde. Neben einigen Orkschamanen fanden wir hier auch den Häuptling, an dem offenbar irgendein finsteres Ritual vollzogen worden war; denn er war ungewöhnlich kräftig für seine Art. Ich vermute eine Abart des Firmatio Roburis, bin mir da aber nicht so sicher. Diese Schamanenmagie ist doch so ganz anders als die akademische Arkanmagie. Und dass sie ihr auch unterlegen war, sollte sich bald zeigen.

Ich wirkte eine Conjuratio und rief einen Erdelementar herbei, den ich zunächst auf die Schamanen hetzte. Sie waren leichte Beute; denn sie waren von dem Ritual offenbar ausgezehrt. Der Häuptling stellte sich derweil Boendalin. Dieser fegte zunächst noch zwei Orkwachen beiseite und nahm den Kampf auf. Um für gleiche Verhältnisse zu sorgen, rief Tempurius Tempus an und stärkte seinerseits unseren Gefährten. Dieses Mal war ich mir sehr sicher, die klerikale Version des Firmatio Roburis zu erkennen.
Der Häuptling musste schwere Schläge hinnehmen, doch ließen seine Kräfte nicht nach. Erst als ich mit einer weiteren Conjuratio Verstärkung herbeirief, wendete sich das Blatt. Nur noch Sekunden, dann ging er zu Boden. Unsere Aufgabe war erfüllt. Schnell schlug Boendalin ihm den Kopf ab, der uns als Beweis für unsere Tat dienen sollte, und wir machten uns auf den Rückweg.
Zwar versuchten noch versprengte Ork uns aufzuhalten, doch es war aussichtslos. So gelangten wir zum Eigang und zogen uns unbemerkt zurück.

Nach einer Rast reisten wir nach Holzweiler zurück. Hierhin waren inzwischen auch die Dörfler zurückgekehrt. Sie machten sich daran, die Verwüstungen der Söldner zu beseitigen und wieder aufzubauen, was zerstört war. Wir wurden, wie es sich gehörte, als Helden empfangen. So sonnten wir uns in unserem verdienten Ruhm und erholten uns bis zum nächsten Tag.

Wir brachen am Morgen mit einem Empfehlungsschreiben der geretteten Purpurritter auf, um bei Caladnei Bericht zu erstatten. Am nächsten Tag erreichten wir ein Fort der Purpurritter und machten dort halt. Wir suchten den Anführer des Forts, Kommandanten Veitier, auf und berichteten von den Vorfällen der vergangenen Tage. Er war zutiefst von unseren Taten beeindruckt und versprach, unverzüglich bei seinen Vorgesetzten Meldung zu machen. Auch arrangerte ein Treffen mit seinem Kriegsmagier Fender, der uns im Namen Caladneis für unsere Heldentat belobigte und unsere Aufgabe als erfüllt erklärte.

Wir nutzten die Gelegnheit und machten einige Besorgungen bei den Händlern, wobei das Angebot selbstverständlich sehr eingeschränkt war. Doch für's erste ließen sich unsere Bedürfisse befriedigen. Ich zog mich zum Kriegsmagier zurück, um dort mit ihm über arkane Theoreme zu diskutieren und nebenbei meine Studien voran zu treiben.

Tags darauf bot uns Fender einen weiteren Auftrag an, welcher mit 500GM sowie großzügigen Prämien vergütet werden sollte. In einer Stadt namens Wheloon in der Nähe zur Grenze nach Sembia sollte Korruption Einzug erhalten haben. Sogar unter den dort stationierten Purpurrittern. Kriegsmagier seien darüber hinaus in Wheloon nicht gern gesehen, so dass er uns bat, dort nach dem Rechten zu sehen und der Korruption auf den Grund zu gehen. Außerdem solle es dort einen neuen Mystratempel geben, der allein schon eine Reise wert war.
Wir nahmen den Auftrag an und machten uns per Kahn auf den Weg den Fluss hinab.

Ohne nenneswerte Zwischenfälle erreichten wir das Städtchen Wheloon, welches sich doch als erstaunlich groß erwies. Etwa 7000 Bürger sollten hier leben. Natürlich nur ein Bruchteil Westtors, doch immerhin waren wir endlich wieder in der Zivilisation angekommen. Eine Akademie gab es zwar nicht, doch ich dachte, der Mystratempel würde wohl dafür entschädigen.
Wir ließen uns in der Herberge "Zum Lindwurm" nieder. Ich befragte kurzerhand den Wirt nach besonderen Vorkommnissen und er verwies uns an den Buchändler Amnik Basult. Ein Buchhändler war mir ein sehr gelegener Besuch, zeichneten sich die Vertreter dieser Zunft doch meist als gelehrsame Gesprächspartner aus. So war dieser Amnik Basult unsere erste Adresse, um unsere Nachforscungen zu beginnen.

Am Laden angekommen stellten wir fest, dass nicht der Inhaber sondern vielmehr dessen Frau Mela zugegen war. Schnell erfuhren wir, dass Mela ihren Mann vermisste. Er sei vor wenigen Tagen einfach verschwunden und ward nicht mehr gesehen. Die arme Frau tat mir leid, so versprach ich, ihren Mann zu suchen. Eine Hilfe hierbei sollte eine arkane Schriftrolle sein, die sie in ihrem Besitz hatte. Es war eine Detectio, die bisher nicht in meinem Portfolio war. Ihr wisst, damals war ich noch jung und hatte durchaus noch Lücken in meinem Zauberbuch. So aber nahm ich die Schriftrolle an mich, um den Zauber meinem Repertoire hinzuzufügen. Mit ihm sollte es mir dann gelingen, die Spur zu ihrem Gemahl zu finden.

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