Kapitel 4

Aus dem Leben des Torian Gnottertrotter
(Tagebuch vom 03.06.15)

Uj, wo sind wir da bloß hinein geraten? Es muss eine Menge Alkohol im Spiel gewesen sein, dass könnt ihr mir glauben. Oder aber auch mächtige Magie. Denn das nächste, woran ich mich nach der Trennung von meinen Kameraden erinnern kann, war – neben kräftigen Kopfschmerzen – ein Gespräch mit einer gewissen Caladnei, einer mächtigen Erzmagierin. Sie gab uns den Auftrag… ja, uns, denn meine Freunde waren offenbar auch irgendwie zu ihr gestoßen. Mich schwindelt heute noch, wenn ich daran zurück denke. Vielleicht war auch ein Amnesiazauber im Spiel. Ach ja, Auftrag. Leider ist auch dieses Gespräch in einem diffusen Nebel meiner Erinnerungen verborgen, lediglich das Ziel, der Orkhäuptling Gorgosch, hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Ja, ein Amnesiazauber muss es gewesen sein, Alkohol schließe ich aus, war ich doch stets äußerst diszipliniert, wenn es um berauschende Mittel geht. Ja ich weiß, diese Geschichte in Westtor, doch das tut hier nichts zur Sache…

Zurück zu Gorgosch also! Erst als wir wieder an die frische Luft kamen, löste sich der Nebel um meinen Verstand und ich erkannte, dass wir nunmehr im Wald waren. In der Nähe des Donnergipfels, wo wir diesen Orkhäuptling ausfindig machen sollten. Wir erreichten eine Hütte, in der mehrere menschliche Leichen lagen. Wir wollten uns diese gerade näher ansehen, als Tumult von außen zu uns hinein drang. Ein Ork stürzte aus dem Unterholz, verfolgt von einer Meute Goblins sowie einem stinkenden Goblinhund. Prima, wenn es uns gelang, diesen Ork gefangen zu nehmen, konnten wir aus ihm herausholen, wo sich sein Häuptling befand. Also griffen wir die Goblins an. Ich wirkte wie stets mächtige (also für meine damaligen Verhältnisse mächtige) Conjurationes und schaltete damit gleich mal so einige Gegner aus. Leider konnte ich nicht verhindern, dass der Hund dem Ork in den Rücken sprang und ihn mit einem Biss ins Genick tötete. Nun ja, war nur ein Ork, doch seine Informationen hätten unseren Auftrag erleichtern können. Der restliche Kampf stellte für mich keine Herausforderung dar. Mit der Hilfe meiner Freunde waren die Gegner bald überwältigt.

Nur wenig weiter im Wald vermochten wir Bewegungen ausmachen, und tatsächlich fanden wir dort das Lager der Goblins, in dem sich eine Handvoll dieser Wesen sowie in Käfigen zwei Gefangene befanden. Der eine war ein offenbar toter Ork, der andere eine ziemlich mitgenommene Elfe. Es verstand sich von selbst, dass wir die Goblins töteten und die Elfe befreiten. Wir stärkten sie ein wenig und führten sie zu der Hütte, um ein wenig zu rasten. Dabei erzählte Sharvin, so hieß sie, uns, dass sie mit einer Gruppe ausgezogen war, um ebenfalls den Orkhäuptling unschädlich zu machen. Allerdings wurden sie von den Goblins überrascht und überwältigt. Die Leichen in der Hütte waren Sharvins Kameraden, allerdings schien einem ihrer Freunde namens Brann die Flucht gelungen zu sein; denn er befand sich nicht unter den Toten. Sharvin berichtete uns von einem nahe gelegenen Dorf, welches morgen unser nächstes Ziel sein sollte. In der Nacht, die wir in der Hütte verbrachten, wurden wir eines Ogers gewahr, der um die Hütte schlich. Bevor er uns fand, nutzten wir den Überraschungseffekt und griffen ihn an. Ich wob einen Ignis Fulgaris, doch in meiner Aufregung zielte ich zu hoch. Doch Boendalin prügelte den Riesen mit mächtigen Hieben zu Boden.

Am nächsten Morgen brachen wir auf und erreichten das Dorf Holzweiler, eine von Holzpalisaden umgebene, kleine Ansiedlung. Da Tempurius gesundheitlich etwas angeschlagen war, blieb er zunächst mit unseren Reittieren und unseren Ersparnissen. Am Eingangstor befand sich eine Wache, und es stellte sich schnell heraus, dass das Dorf von einer Gruppe Schurken und Söldner bewohnt war. Der Torwächter war sehr redselig, doch wollte er von uns eine Parole haben, um das Dorf betreten zu können. Doch es erwies sich, dass dieser Wächter eindeutig nicht gerade reichlich mit Azuths Gaben gesegnet war, als er uns frei heraus die Parole „Holz“ verriet. Ich möchte hier nicht in allen Einzelheiten schildern, was wir dort vorgefunden haben, doch so viel sei gesagt: Die Söldnertruppe stand unter der Führung von Jallak. Er hat das Dorf leer vorgefunden und einfach für sich beansprucht. Die Truppe übernimmt regelmäßig Eskortaufträge für einen Halbelfen namens Dorn, um Waren von einer Orkmine nach Tiefental zu begleiten. Azuth hat offenbar bei der Verteilung seiner Gaben um jeden einzelnen der Söldner einen großen Bogen gemacht, so gelang es mir schnell mit meinem überlegenen Intellekt, einen Plan zu spinnen, der uns den Kampf gegen die Orks merklich erleichtern sollte: Ich überzeugte Jallak davon, dass es für ihn lukrativer sei, nicht die Waren zu begleiten, sondern vielmehr die Schätze, die die Orks ganz offensichtlich horteten, in seinen Besitz zu bringen. Jallak forderte einen Beweis für den Reichtum der Orks, und ich willigte ein, in das Lager der Orks einzudringen und einen Teil des Goldes, welches sie horteten, zu entwenden. So zog ich dann am nächsten Tag aus, schlug einen Bogen um das Dorf und gesellte mich zu Tempurius, bei dem ich unser Erspartes befand. Ich verbrachte einen Tag und eine Nacht mit Müßiggang und arkanen Übungen, bis ich mich nach dem Mittag mit einer Schatulle Goldes auf den Rückweg zum Dorf machte.

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