Kapitel 3

Aus dem Leben des Torian Gnottertrotter
(Tagebuch vom 20.05.15)

Wir besuchten zunächst den Chaunteatempel, als wir nach Neuk… Altburgdorf zurückkehrten. Wie nicht anders zu erwarten war der Tempel eher eine Scheune denn ein heiliger Ort. Aber das passte zu dieser Provinz. Immerhin hatten die Priester ein gewisses Talent für die Heilung, so dass meinen Kameraden wohl geholfen wurde.

Mich hingegen erwartete hier nichts, so dass es mich eher zum Fürsten zog, wo wir hofften, eine gewisse Belohnung für die Beseitigung der Koboldplage zu erhalten. Der Fürst erschien dann zwar nicht, wohl aber dessen Gattin. Sie lauschte aufmerksam unseren Berichten und zeigte sich tatsächlich bereit, uns anständig zu belohnen. Dem Barbaren ein Humpen anständigen Bieres, dem Gideon ein paar lumpige Goldmünzen, doch was mir geschenkt wurde, war weitaus wertvoller. Instinktiv musste die Fürstengattin erkannt haben, dass ich als denkender Kopf unserer Gruppe auch den Anspruch auf eine höhere Belohnung hatte; denn sie schenkte mir die Gunst, nicht nur einige ihrer Sprüche zu kopieren, sondern erwies sich dabei als gestrenge, doch äußerst kompetente Lehrmeisterin. Im Eifer der Studien merkte ich gar nicht, wie die Zeit verging. Und dass meine Kameraden bereits wieder zurück in die Herberge gezogen waren, bemerkte ich erst, als mich selber der Hunger traf. Schweren Herzens bedankte ich mich artig für die Lehrstunde und machte mich auf den Weg ins Gasthaus.

Ich fand meine Freunde schließlich in der Halblingbrauerei. Natürlich beim Trinken. Ich genoss dort den vorzüglichen Schweinebraten und das leckere Bier, bevor mir ein weiterer Herr gewahr wurde, der offenbar mit meinen Freunden ins Gespräch gekommen war. Es handelte sich um einen stattlichen, wennauch ausgesprochen hässlichen Halbork, der die Gewänder eines Tempusklerikers trug. Kinder, war der hässlich. Doch im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass er durchaus mehr Intelligenz besaß, als so mancher meiner Kameraden. Mein Blick schweifte dabei wie zufällig zu Boendalin…

Ich hatte übrigens von der Fürstin erfahren, dass es sich bei unserem edlen Spender Matthies um einen Hexenmeister gehandelt hatte, einer zwielichten Gestalt, der man nicht trauen konnte. Als ich dann tatsächlich dieser Person gewahr wurde, wie sie mit einer Halbelfenbardin in ein Gespräch vertieft war, zog ich es vor, eine Begegnung zu vermeiden und trieb meine Kameraden an, unsere Herberge - Valerias Herberge - aufzusuchen. Es war ja schließlich auch schon spät.
Am kommenden Tag war Badetag, und so zog ich hoch zum Fürsten und nahm dort zusammen mit Sackus ein anständiges Bad.

Wir hatten uns tags zuvor bereits geeinigt, wieder in zivilisiertere Bereiche zurückzukehren, und ich gebe unumwunden zu, dass ich nicht ganz unbeteiligt an dieser Entscheidung war. Ich würde dieser Provinz keine Träne nachweinen.
Die Vorbereitungen waren schnell erledigt, so dass wir noch am selben Mittag nach dem Bad den Weg in Richtung Cormyr antraten. Die Reise verlief ruhig und ohne nennenswerte Zwischenfälle. Unterwegs trafen wir auf einen Händler namens Marat, der die Freundlichkeit besaß, mich während des gemeinsamen Weges auf seinem Wagen mitfahren zu lassen. Das gab mir die Gelegenheit, ein interessantes Buch über historische Schlachten Cormyrs zu lesen. Erwähnte ich, dass Tempurius, der Tempuskleriker, ebenfalls mit uns aus Altburgdorf aufgebrochen war? Nun ja, jedenfalls war es sein Buch, welches ich dort las, und ihr könnt euch sicher sein, dass er dadurch in meiner Gunst denkbar angestiegen war. Wie man sich in Halborks doch täuschen konnte.

Im Laufe der Unterhaltungen mit dem Händler und anderen Reisenden erfuhren wir von einer Katastrophe, die sich in Tilverton ereignet hatte. Die ganze Stadt und das nähere Umland waren zum Sperrbezirk erklärt worden, doch niemand wusste genaueres zu berichten. Ich gebe zu, wieder war ich nicht ganz unbeteiligt an der Entscheidung, dieser Sperrung mal auf den Grund zu gehen. Hätte ich geahnt, in welche Bredouille ich meine Kameraden bringen würde, hätte ich mich vielleicht anders entschieden. So aber, wir hatten uns gerade von dem Händler getrennt, zogen wir die Straße gen Tilverton, als wir auch schon auf eine Patrouille der Purpurritter stießen. Diese gaben uns höflich aber unmissverständlich die Weisung umzukehren und einen großen Bogen um Tilverton zu machen.

Dieser Anweisung folgten wir zunächst, nur um nach Einbruch der Dunkelheit querfeldein auf die gesperrte Stadt zuzuhalten. Ich hatte nicht bedacht, dass meine Reisegefährten nicht über den leichten Gang unserer Art verfügte, so dass sie nicht wirklich lautlos waren. Folgerichtig wurde eine weitere Patrouille unserer gewahr, doch gelang es uns fast allen, uns noch rechtzeitig zu verbergen. Lediglich Tempurius wurde von einigen Magiern aufgegriffen und in ihr Lager geführt. Das Lager lag nur wenige Dutzend Schritt entfernt, also folgten wir den Häschern unauffällig. So beobachteten wir, wie der Halbork gefesselt in eines von zwei Zelten verbracht wurde. Nachdem etwas Ruhe eingekehrt war, machten wir uns daran, unseren neuen Gefährten zu befreien. Der Plan sah vor, dass ich mit einer trefflichen Conjuratio für eine Ablenkung sorgen würde, so dass zeitgleich Gideon von hinten das Zelt aufschlitzen und unseren Kameraden befreien konnte.

Leider ging bei dieser Befreiung so ziemlich alles schief, was schief gehen konnte. Während ich noch eine vortreffliche, extraplanare Kreatur herbeirief, gestaltete sich das Eindringen Gideons als nicht ganz so unauffällig wie gewünscht. Sein Befreiungsversuch wurde bemerkt, und es entwickelte sich im Zelt ein Kampf. Gleichzeitig preschte Boendalin vor, um den zweiten Magier auszuschalten. Leider war er nicht in der Lage, den Zauberer im Nahkampf auszuschalten, da er von einer Imperavio paralysiert wurde.

Ein Krieger ausgeschaltet, ein weiterer in einem Zelt gestellt, nur ich, der ich kluger weise nicht sinnlos vorgestürmt war, der unbemerkt blieb. Ich wägte meine Optionen ab und stellte sehr bald fest, dass dieses nicht der Zeitpunkt für Heldentaten war. Ihr erinnert euch, ich war noch jung und unerfahren. Und selbst ich war nicht in der Lage es mit drei Kriegsmagiern aufzunehmen. Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr es mich schmerzte, meine Kameraden zurückzulassen, doch gebot es die Klugheit, an dieser Stelle einen Rückzug vorzunehmen. Irgendjemand musste sich ja schließlich auch um die Reittiere kümmern…
So kehrte ich schweren Herzens den Rückweg zu unserem Lager an, um mich weiter nach Süden durchzuschlagen. Vielleicht hatte Tymora ein Einsehen, welches mich wieder mit meinen Gefährten vereinen sollte.

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